Shirin

Neshat

Shirin Neshat

Shirin Neshat selbst ist eine Grenzgängerin zwischen den Welten, eine Heimatlose. Mit siebzehn Jahren, 1975, ging sie zum Kunststudium in die USA. Vier Jahre später wurde Persien nach dem Sturz des absolutistischen Schah-Regimes zur Islamischen Republik Iran.

Nach elf Jahren in den USA kehrt Neshat 1990, ein Jahr nach Khomeinis Tod, in den Iran zurück - was sie vorfand, war eine radikal veränderte Welt. Eine Welt, die sich ihr vollständig entfremdet hatte, die sie zugleich fesselte und verstörte. Auf der Suche nach ihrer Identität zwischen westlichen Maßstäben, ihrer eigenen - persischen - Kultur und dem zeitgenössischen Iran entwickelte sie über Fotografie und Film ein eigenes und neues künstlerisches Selbstverständnis. Ihre eindringlichen wie uneindeutigen Fotos und Filmarbeiten entstehen durch ihren Blick als "leidenschaftliche Forscherin. 

Die dortigen Zustände regen sie an, die Fotoserie "Women of Allah" zu realisieren – der Beginn ihres künstlerischen Schaffens. Neshat beschreibt ihre Erfahrungen als Fremde im eigenen Land: "Es ging los mit einem Schock. Ich war fasziniert, wie sich das Land verändert hatte - von Persien, wie ich es kannte, zur islamischen Republik. Es ist ein drastischer Wandel: Die persische Kultur basiert auf ganz anderen Werten als die muslimische, sie ist weniger rigide, viel poetischer, viel literarischer, es ist eine sehr alte Tradition. Die neue Regierung brachte eine strenge, pure Form des Islam ins Land; sie haben versucht, die persische Geschichte auszuradieren und durch eine allgemeine, islamische Kultur zu ersetzen."

Nach einigen Jahren, in denen sie als Fotokünstlerin arbeitet, wendet sie sich Mitte der 1990er Jahre der Film- und Videokunst zu. Die meisten ihrer Videoarbeiten entstehen zwischen 1997 und 2001. Hatte Neshat sich bislang vor allem mit der islamischen Kultur befasst, beginnt sie nun, westliche Wertvorstellungen zu hinterfragen. Im Jahre 1999 erhält sie für ihre Videoinstallationen "Turbulent" und "Rapture" den Internationalen Preis der 48. Biennale von Venedig.

Im Jahr 2001 beginnt Shirin Neshats Zusammenarbeit mit Sussan Deyhim, einer Komponistin, Sängerin und Performancekünstlerin aus dem Bereich der experimentellen Musik. In dem gemeinsam realisierten Video "Logic of the Birds" verarbeitet Neshat auch ihre Gefühle und Ängste als in den USA lebende Iranerin nach den Attentaten vom 11. September 2001.

2009 gibt Shirin Neshat ihr Debüt als Spielfilmregisseurin: "Women without Men" wird im Wettbewerb der 66. Filmfestspiele von Venedig uraufgeführt und mit dem Silbernen Löwen für die Beste Regie geehrt.